Bericht aus dem Milieu

Es würde ja jede Woche Geschichten aus dem Milieu zu erzählen geben, aber ich erzähle nur gerade diese, welche mir selber oder Freunden von mir passieren.

Heute nun ist also mal wieder so eine passiert. Ein Freund von mir läuft durch die Unterführung der Langstrasse im Kreis 4 in Zürich, da spricht ihn ein Typ auf französisch an, gibt ihm die Hand und fragt ihn ob er französisch spreche. Er verneint und will weiter gehen, doch der andere will ihn nicht gehen lassen. Da reisst der Freund sich los und läuft weiter. Der andere flucht und spuckt den Freund von hinten an. Dieser dreht sich nicht gerade freundlich um und geht auf den Typen zu, da zieht der ein langes Messer aus der Tasche…. In solchen Momenten ist es wohl das Beste seine Füsse unter die Arme zu nehmen und loszurennen. Genau das tat der Freund von mir auch.

Tja die Langstrasse ist auch am hellichten Tag nicht ganz ungefährlich.

 

Ein anderer Vorfall ereignete sich vor nicht langer Zeit spät Nachts ebenfalls in der Umgebung der Langstrasse. Ein schwarzer Geländewagen mit getönten Scheiben und einem ausländischen Kennzeichen, fährt die Langstrasse hinunter und muss bei der Rotlichtampel anhalten. Eine Frau mit einem schon etwas erhöhten Alkoholpegel, welche auf dem Trottoir mit einem Mann läuft, findet das Auto wohl toll und will es sich etwas genauer ansehen. Sie stützt sich vorne auf die Kühlerhaube und versucht durch das Fenster zu schauen. Da steht der Fahrer dieses schwarzen Wagens kurz aufs Gas und schiebt die Frau sozusagen auf das vor ihm stehende Auto in der Kolonne, bremst dann abrupt, lässt die Windschutzscheibe herunter und zielt mit einer Pistole auf die Frau. Die Frau stürzt entsetzt aufs Trottoir und auch die Passanten bleiben perplex stehen. Die Ampel wechselt weiter vorne auf Grün und der Wagen fährt mit quietschenden Reifen ab.

Nun ich lebe schon eine ganze Weile in diesem Viertel und es war sicher noch nie besonders ruhig hier zu leben, aber „die Gangart“ ist eindeutig härter geworden in letzter Zeit.

Die Polizei ist zwar gut sichtbar an allen Ecken stationiert, aber das scheint auch nicht viel zu helfen.

Von Freitag- bis Sonntagabend pilgern Horden von Menschen die Langstrasse hinauf und hinunter und obwohl man die Polizeisirenen ständig hört, scheint alles doch noch nicht sooo schlimm zu sein. Jedenfalls sieht es von aussen noch nicht so schlimm aus, obwohl nun auch hier das Strassenbild ziemlich anders aussieht, als noch vor ein paar Monaten. Jetzt stehen die blutjungen rumänischen/bulgarischen Nutten bereits am frühen Nachmittag auf der Strasse und gehen mit einer ziemlich „agressiven“ Art auf die männlichen Passanten los. Die Rumänen scheinen jetzt dick im Geschäft zu sein, was die Lage sicherlich nicht unbedingt angenehmer macht.

Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt darauf, wie es sein wird, wenn dann mal das ganze Gebiet der SBB mit der neuen Europaallee, all den neuen Bauten und neuen Mietern, an die Langstrasse angrenzt. Wer weiss, vielleicht greift die Polizei dann plötzlich viel härter durch und man versucht das Rotlichtmilieu zu verdrängen, damit die Mietpreise ja nicht sinken.

In ein paar Jahren werden wir wissen, ob das Milieu an der Langstrasse noch das gleiche ist wie heute.

 

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2 Kommentare

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  1. Ich kenne die Langstrasse seit 40 Jahren. Damals gab es auch in allen Seitenstrassen die Prostitution und die Freier kreisten die ganze Nacht mit quitschenden Reifen durch’s Quartier. Da und dort gab es zünftig eins auf die „Nuss“ – und trotzdem hatte alles seine „Ordnung“. Mit den Jahren kamen zu den Italienern weitere Nationalitäten hinzu. Die Drogenszene wechselte vom AJZ in die Langstrasse und nach der „Vertreibung“ an verschiedene andere Orte im Quartier. Wieso konnte man sie nicht dort lassen wo sie anfänglich waren?
    Ich habe mich als Frau (auch oft ohne Begleitung“ an der Langstrasse NIE unsicher gefühlt. Wenn eben mal jemand beim Strauss auf das Trottoir flog, machte ich einen Bogen und lief weiter. Sah ich vor mir ein paar Streithähne – ging ich auf die andere Strassenseite.
    Bestimmt hat es viel damit zu Tun wie man sich gibt und wie man sich verhält…
    Ich fände es eine städtische Katastrophe, wenn man aus der Langstrasse eine moderne „In-Gegend“ machen würde und hoffe sehr, das es nie soweit kommt! Es würde ein altes Zürcher Quartier total zerstören – eine scheussliche Vorstellung!

    Anhang: Ich habe nie etwas mit Drogen und Prostitution zu Tun gehabt – auch ein „normaler“ Mensch wie ich kann sich dort sehr Wohl fühlen :-)))

    Danke für’s Lesen und weiterhin viele gute Erfahrungen in diesem vielfältigen Quartier :-)))

    • Liebe Maya auch ich finde, dass es schade wäre, wenn aus dem Quartier eine- In-Gegend würde. Die Stadt Zürich braucht Vielfalt und solche Gebiete gehören zum Bild einer jeden grossen Stadt. Es kommt ja nicht von Ungefähr, dass am Wochenende so viele Leute sich hier vergnügen, man will eben nicht nur das Chice, Coole sondern eben gerade auch Orte an denen es noch etwas „schmutzig“ zu und her geht. Auch ich kann bestätigen, dass ich noch nie Angst haben musste auch wenn ich erst um 4 Uhr morgens nach Hause kam, man kann in diesem Quartier wirklich „normal“ leben. Ich hoffe einfach, dass es weiterhin beim „eins auf die Nuss geben“ bleibt und nicht so schnell die Waffen gezückt werden.

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