milieugeschichte „gefährliche überschreitungen“

ich wohne alles in allem 4 jahre mitten im zürcher milieugebiet und habe schon einige geschichten, dramen und krawalle mitbekommen und bin vielen traurigen gestalten, wie junkies, dealern, nuten und freiern begegnet. alle sind sie hier irgendwie auf der suche nach etwas, nach dem vermeintlichen glück, welches sie jedoch hier nie finden werden. oft passieren dinge direkt vor meinen augen, wie eben gestern nacht.

im tiefschlaf höre ich etwas, das sich wie ein dumpfer aufschlag anhört und gleich darauf ein röcheln und stöhnen. an solche geräusche langsam gewöhnt, lässt mich das ruhig weiter schlafen. das röcheln wiederholt sich und wird lauter. ich dreh mich im bett und denke, na wieder mal einer im hof der seinen stoff braucht. plötzlich kommen stimmen von ein paar leuten dazu „was sollen wir machen, tut etwas, nein nicht anfassen, wir müssen die polizei rufen, hallo, hallo hörst du uns“. eine versammlung von junkies? aufgeregte stimmen leute die herumrennen. vorbei ist es mit meinem schlaf, es ist morgens um 2 uhr. die polizei ist mit tatü im anmarsch, so jetzt muss ich doch mal aufstehen und nachsehen was da vor meinem fenster läuft. oh gott da hängt ein mensch am zaun aufgespiesst an seinem bein, das oberhalb des knies von einem zaunspiess durchbohrt ist und einige zentimeter  herausragt!! das bein ist verdreht und sein oberkörper liegt mit dem gesicht nach unten auf einer kühlerhaube eines autos. sein körper bebt und er ist am hyperventilieren. die paar menschen um ihn herum wissen nicht was sie tun sollen und die polizei ruft nun auch „hallo“ um ihn wach zu halten. es ist ein gespenstischer anblick. schliesslich kommt die ambulanz und befreit ihn aus seiner misslichen lage und er wird endlich ohnmächtig und ist von seinem schmerz befreit. ambulanz und polizei ziehen ab und im hof ist es wieder still.

es war ein mann aus peru mittleren alters. warum wollte er den zaun übersteigen? was suchte er –  etwas was es auf seiner seite des zauns nicht gab?

grenzen zu überschreiten kann sehr gefährlich sein, das wissen wir alle und doch tun wir es immer wieder, müssen wir es immer wieder tun um zu wissen wo unsere grenzen liegen, um zu wissen wie weit wir gehen können, um zu erfahren wer wir sind. und oft ist es schmerzvoll und doch hindert es uns nicht auch den nächsten zaun wieder zu übersteigen um zu erfahren ob es dort vielleicht etwas gibt was wir noch nicht kennen. aber schlussendlich finden wir immer nur das eine – uns.

Ein Kommentar

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  1. Whew! Was für ein Erlebnis! Sowas geht da ab, bei Euch im Kreis 4? Du scheinst das stark zu nehmen. Der sensible Gedankensprung am Ende ist auch für den Leser (mich, jetzt mal) nicht einfach mitzumachen. Du bist da abgeklärter als ein Typ aus dem Kreis 7, scheint mir…

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